Churtrier im Spätmittelalter
Warum ausgerechnet „Churtrier"? Churtrier ist die altertümliche Schreibweise für Kurtrier. Die meisten Gruppenmitglieder stammen aus dem Bereich des ehemaligen Kurfürstentums Trier. Dieses Kurfürstentum Trier, kurz Kurtrier genannt, war eines der sieben ursprünglichen Kurfürstentümer des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Sein weltliches und geistliches Oberhaupt war der Erzbischof von Trier. Die Erzbischöfe von Trier gehörten mit denen von Mainz und Köln zu den drei geistlichen Kurfürsten. Ihnen stand zusammen mit den Pfalzgrafen bei Rhein, den Markgrafen von Brandenburg, den Herzögen von Sachsen und den Königen von Böhmen seit der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert das Recht zur Wahl (=Kur) des deutschen Königs zu.
Warum 1488? Im Jahre 1488 wurde die Winneburg bei Cochem im so genannten Beilsteiner Krieg, den Kurfürst Johann von Baden gegen den aufmüpfigen Cuno III. von Winneburg und Beilstein führen musste, von kurtrierischen Truppen belagert und erobert.
Kurfürstentum und Stadt Trier
Der kirchliche Einflussbereich des Erzbischofs von Trier erstreckte sich mit den ihm unterstellten Bistümern Metz, Toul und Verdun bis weit nach Lothringen und in die Ardennen hinein. Die kulturelle und politische Brückenfunktion des Erzbistums Trier an der Nahtstelle zwischen deutschem und französischem Sprachraum kam darin zum Ausdruck, dass der Erzbischof von Trier auch den Titel eines „Erzkanzlers für Gallien" führte.
Das weltliche Herrschaftsgebiet des Erzbischofs von Trier existierte von spätkarolingischer Zeit bis zum Reichsdeputationshauptschluss 1803. Das ursprüngliche Kerngebiet war der Großraum Trier. Später kamen die Gebiete am Mittelrhein (Koblenz), im Westerwald (Montabaur) und an der unteren Lahn (Limburg) hinzu. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gewann Kurfürst Balduin von Luxemburg weitere Gebiete, vor allem an der Mittelmosel, aber auch am Mittelrhein hinzu und vollzog eine grundlegende Verwaltungsreform nach französischem Vorbild, wodurch Trier zum damals fortschrittlichsten Territorialstaat Deutschlands wurde.
Seit dem Spätmittelalter unterschied man zwei große Verwaltungsbezirke oder Landesteile: zum einen das Oberstift mit der Hauptstadt Trier, zu dem im Wesentlichen das nördliche Saarland sowie die Gebiete an Ober- und Mittelmosel einschließlich der dem Moseltal zugewandten Abhänge von Eifel und Hunsrück gehörten. Das so genannte Niederstift mit dem Hauptort Koblenz umfasste die Gebiete links und rechts der Unterläufe von Mosel und Lahn, große Teile des Westerwaldes und einige Ortschaften am Mittelrhein, darunter die ehemalige freie Reichsstadt Boppard. Zu den wichtigen Landstädten mittlerer Größe zählten außer den bereits genannten: Saarburg, Wittlich, Bernkastel und Mayen.
Bis in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts hinein war Kurtrier das mächtigste Fürstentum an der westlichen Peripherie des Reiches, eine Position, welche die Kurfürsten gegen ihre wichtigsten Konkurrenten, die Grafen von Luxemburg, in zum Teil jahrzehntelangen blutigen Fehden erstritten hatten. Erst in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts konnte man sich auf einen friedlichen Interessenausgleich einigen, was nicht zuletzt dem Umstand zu verdanken war, dass mit Balduin ein Mitglied des luxemburgischen Grafenhauses mehr als vier Jahrzehnte lang Erzbischof von Trier war.
Die Landeshauptstadt Trier zählte zur Zeit ihrer größten Blüte im Hoch- und frühen Spätmittelalter ca. 10.000 Einwohner und gehörte damit zu den wenigen „Großstädten" im Reich. Die große Pest von 1348-50 führte auch hier zu einem starken Bevölkerungsrückgang. Zwar erholte sich die Stadt wieder einigermaßen, doch führte die „Manderscheider Fehde" (1432-36) zu erneuten Einbußen bei der Bevölkerung und vor allem auch zu einem wirtschaftlichen Niedergang, von dem sich Trier nie so ganz erholen sollte, so dass alle Bemühungen den Status einer reichfreien Stadt zu erlangen, mangels finanzieller Mittel scheiterten. Trotzdem war Trier auch im Spätmittelalter mit seiner 1473 gegründeten Universität immer noch eine verhältnismäßig bedeutende und mit seinen durchweg gepflasterten Straßen und repräsentativen Bürgerhäusern auch eine recht ansehnliche Stadt.
Seit Anfang des 14. Jahrhunderts war die Stadt Trier politisch eng mit den Grafen von Luxemburg verbunden, da sie mit Balduins Bruder Heinrich VII. einen Außenbürgervertrag abgeschlossen hatte, durch den er und seine Nachfolger gegen eine jährliche Zahlung zu militärischen Hilfeleistungen für die Stadt verpflichtet worden waren. Dieser Vertrag galt auch noch, nachdem das Herzogtum Luxemburg 1430 an die Herzöge von Burgund gefallen war und sogar noch, als Luxemburg längst Bestandteil der spanischen Niederlande war. Somit ergab sich 1475 die kuriose Situation, dass die Trierer einerseits einen Beistandsvertrag mit Karl dem Kühnen als Herzog von Luxemburg hatten, andererseits aber als Teil des kurtrierischen Aufgebotes gegen ihn nach Neuß ziehen mussten.
Das kurtrierische Militär bestand im 15. Jahrhundert wie in den meisten anderen deutschen Territorien aus der schwer gepanzerten Reiterei und dem Fußvolk sowie der noch zunftmäßig organisierten Artillerie. Die Reiterei wurde zum größten Teil vom landständigen Adel sowie der bürgerlichen Oberschicht der größeren Städte gestellt. Das Fußvolk rekrutierte sich aus dem Aufgebot der Städte und Gemeinden. Trier als mit Abstand größte Stadt stellte das größte Kontingent. Zusätzlich wurden je nach Bedarf Söldner zu Pferd und zu Fuß angeworben. Für die Stadt Trier ist seit dem 14. Jahrhundert eine kleine Truppe von Söldnern nachgewiesen, die in Friedenszeiten den Wach- und Polizeidienst versah und wahrscheinlich im Bedarfsfall auch mit dem städtischen Aufgebot ausrückte.
Das Aufgebot der Stadt Trier war rund 800-1000 Mann stark und bestand zu zwei Dritteln aus Stangenwaffenträgern und zu einem Drittel aus Armbrust- und Büchsenschützen, wobei Ende des 15. Jahrhunderts die Büchsenschützen bereits überwogen. Zur Amtseinführung des neuen Kurfürsten Johann von Baden im Jahre 1460 traten auf dem Trierer Hauptmarkt neben den Stangenwaffenträgern 350 uniformierte Schützen und 30 mit vollständigen Harnischen gerüstete Hauptleute (Patrizier und reiche Bürger) an.
Bemühungen um ein einheitliches Erscheinungsbild des stadttrierischen Militärs sind seit dem 14. Jahrhundert nachweisbar. Anfangs bestand die „Uniform" nur aus einer einheitlichen roten Gugel. Für das 15. Jahrhundert sind die Farben rot und blau überliefert. Da für die Büchsen- und Kanonenschützen, die in Trier „Letzgesellen" genannt wurden, im 16. Jahrhundert rote Jacken und blaue Hosen nachgewiesen sind, gehen wir davon aus, dass dies auch schon für das 15. Jahrhundert zugetroffen hat. Die Mitglieder des berittenen Aufgebots und die Offiziere der Infanterie trugen Harnische aus italienischer und süddeutscher Produktion, wie sich anhand von zeitgenössischen Abbildungen nachweisen lässt.
Abgesehen von den Kanonen, die anscheinend im Land (Stadt Trier?) selbst hergestellt wurden und die samt ihren Bedienungsmannschaften überregional einen guten Ruf genossen, wurde die Bewaffnung des Trierer Militärs anscheinend von außerhalb bezogen, da es im Lande selbst keine bedeutenden Produktionsstätten gab. So gibt es im Stadtarchiv Trier einen Rechnungsbeleg vom Anfang des 16. Jahrhunderts über den Ankauf einer größeren Menge von Helmbarten und Langspießen in Frankfurt/Main.
Die militärische Ausbildung des städtischen Aufgebots war anfangs Aufgabe der Zünfte. Nachdem im Jahre 1461 die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft gegründet worden war, wurde die Schießausbildung der Bürgerschützen von ihr übernommen. Anfangs gab es noch Armbrust und Büchsenschützen. Bei einem großen überregionalen Wettschießen, welches von der Stadt Trier im Jahre 1505 veranstaltet wurde, waren aber bereits keine Armbrustschützen mehr vertreten.
Text: Dr. Ulrich Lehnart