Was ist Mittelalter?
Woher kommt der Begriff "Mittelalter"?
Der Begriff „Mittelalter“ (lat. medium aevum) ist die Erfindung humanistischer Gelehrter und taucht zum aller ersten Mal in einem Büchlein aus dem Jahre 1464 auf. Er bezeichnet hier – recht abschätzig - den Zeitraum zwischen dem Ende der Antike und der damaligen Gegenwart. Allerdings bezeichneten die Humanisten mit „Mittelalter“ noch keine historische Epoche, denn man hielt weiterhin an den traditionellen Geschichtsbildern fest, die die Menschheitsgeschichte z.B. in ein jüdisch-heidnisches Altertum und in eine neuere, christliche Zeit oder in die Abfolge von vier Weltreichen (translatio imperii) einteilten.
Erst zweihundert Jahre später, im Zeitalter des Barock, benutzte der Historiker Christoph Cellarius den Begriff „Mittelalter“ erstmals allgemeingeschichtlich, um die Zeit zwischen Antike und Neuzeit zu benennen und schuf damit die bis heute gültige Dreiteilung der Geschichte in Altertum – Mittelalter – Neuzeit.
Was zunächst recht einleuchtend klingt, erweist sich jedoch bei dem Versuch zu erklären, wann „das Mittelalter“ genau stattgefunden hat, als ziemlich problematisch. Denn wann genau die Antike geendet und das Mittelalter begonnen hat, kommt immer auf den Blickwinkel an, unter dem man die Epochen betrachtet. Dasselbe gilt natürlich auch für den genauen Zeitpunkt des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit.
Wann war das Mittelalter?
Begreift man „Mittelalter“ als die Epoche, die vor allem durch die ungeteilte Christlichkeit des Abendlandes geprägt war, dann beginnt es mit dem Toleranzedikt Kaiser Konstantins im Jahre 313 und endet mit dem Reformationsjahr 1517 . Betrachtet man „Mittelalter“ hingegen als politische Epoche, die durch die von Päpsten und Kaisern bestimmten Königreiche geprägt war, so bieten sich als Stichjahre für dessen Beginn z.B. der Sturz des letzten weströmischen Kaisers im Jahre 476 oder schon der sog. Hunnensturm im Jahre 375 an, der die große Völkerwanderung auslöste, in deren Folge die romanisch-germanischen Nationen des Mittelalters entstanden sind. Unter diesem Blickwinkel endet es dann mit dem Jahre 1494, in dem Karl VIII. von Frankreich das neuzeitliche europäische Staatensystem begründete.
Genauso gut kann man das Mittelalter aber auch als einen Zeitraum verstehen, der kulturell durch eine ziemlich einheitliche, kontinentaleuropäische, romanisch-germanische Völkergemeinschaft geprägt wurde – im Gegensatz zur Mittelmeerkultur der Antike und der Weltkultur der Neuzeit. Demzufolge beginnt das Mittelalter dann mit der Ausbreitung des Islams in den Jahren 635-650, mit dem die Araber das Mittelmeer zur Grenze der europäischen Kultur machten und endet mit der (Wieder-) Entdeckung Amerikas durch Kolumbus im Jahre 1492, der Ausbreitung der europäischen Kultur in die „Neue Welt“.
Gerade im Bezug auf das Ende des Mittelalters bieten sich noch eine ganze Reihe weiterer Stichdaten an wie z.B. die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg um das Jahr 1450 oder etwa die Eroberung Konstantinopels im Jahre 1456 durch die Osmanen, die das oströmische Reich beendete. Versteht man das Mittelalter unter wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Gesichtspunkten jedoch als eine Epoche, die sich durch bestimmte Verhältnisse und Produktionsweisen wie Feudalismus sowie Natural- und Hauswirtschaft auszeichnet, so kann man es getrost bis in das 17. oder gar in das 19. Jahrhundert andauern lassen, denn erst zu dieser Zeit lösten sich diese typisch mittelalterlichen Strukturen auf.
Die Vielzahl verschiedener Epochenjahre lässt hierbei erahnen, dass Epochen nicht in abrupten Brüchen wechseln - und schon gar nicht gleichzeitig in allen Lebensbereichen - sie fließen eher ineinander über.
Gemeinhin versteht man unter „Mittelalter“ jedoch eine Epoche, die in Europa um 500 beginnt und um 1500 endet und auf den europäischen Raum beschränkt ist.
Text: Martin Fischer